170 Kilometer, 64 Brücken, 14 Wehre, 6 Kantone, 4 Gewässer und 2 Atomkraftwerke.

Tag 1

Buochs, Nidwalden. 9 Uhr. Die am Vorabend beladenen Seekajaks lagen tief im Wasser und brachten bestimmt mindestens je 35 kg auf die Waage - ohne menschliche Ladung versteht sich. Die Strecke um den Bürgenstock war meinem Paddelfreund Silvan und mir bestens bekannt und so erreichten wir schon bald Luzern. Ein wichtiges Teilstück war geschafft, denn von hier aus hätten wir uns auch bis nach Basel treiben lassen können. Das wollten wir aber dann doch nicht und so ging's mit grosszügigen Paddelschlägen weiter.

Wir passierten die Kappelbrücke und stoppten vor dem Nadelwehr, das wir eigentlich befahren wollten. Aufgrund des eher niedrigen Wasserstandes war dieses aber nur einen kleinen Spalt breit geöffnet. Nach einer kurzen Besichtigung vom Kajak aus entschieden wir uns das Wehr zu umtragen. Die Strömung unterhalb des Wehres schien sehr stark zu sein und drückte ans linke Ufer. Eine Kenterung am ersten Tag mit unseren schwer beladenen Booten wollten wir nicht riskieren. Die Leute guckten uns komisch an, als wir in nassen Kanuschuhen, Neoprenhosen und mit zwei Kajaks durch die Altstadt watschten. Alle 50 Meter mussten wir eine Pause einlegen. Wir hätten wohl doch nicht so viele Lebensmittel und Bier einpacken sollen.

Weiter unterhalb wieder eingewassert ging es dann die Reuss hinunter. Die nächsten zwei Wehre mussten wir umtragen und das ging ganz schön in die Arme. Diese hatten nun schon mindestens vier Stunden paddeln hinter sich. Kurz vor Root machten wir Mittagspause. Danach nahmen wir's gemütlich, liessen uns treiben und die Füsse ins Wasser baumeln. Nach einer Sandbank in der Nähe von Hünenberg wasserten wir aus, badeten in der Reuss und schlugen das Zelt auf. Zum Nachtessen kochten wir Spaghetti und brätelten eine Servalat auf unserem kleinen, gemütlichen Lagerfeuer.

Tag 2

Am nächsten Tag um 11 Uhr ging die Reise weiter. Gestärkt mit einem Kaffee paddelten wir bei wunderschönem Wetter die Reuss hinunter bis kurz vor Bremgarten. Dort mussten wir ein weiteres Mal Boote schleppen und das Wehr umtragen. Beim sogenannten "Fällbaum" (oberes Bremgarten-Wehr) nur ein kleines Stück weiter unten stiegen wir wieder aus um es zu besichtigen. Wir wussten, dass das Wehr trotz Fahrverbot bei ausreichendem Wasserstand fahrbar war. Langsam hatten wir uns auch an die schweren Boote gewöhnt und wollten jetzt unbedingt ein bisschen Wildwasser paddeln.
Am Ufer trafen wir auf zwei Jungs, die ihr Schlauchboot für die Fahrt nach Mellingen startklar machten. Beide sahen nicht so aus, als wären sie geübte Paddler. Schwimmwesten hatten sie auch keine dabei. Wir machten ihnen trotzdem Mut und so fuhren sie das Wehr hinunter. Doch es kam wie es kommen musste: Kenterung bei der ersten Welle. Nach einem kleinen Schwumm erreichten die beiden das sichere Ufer und wir entschieden uns für eine Befahrung. Diese gelang dann kurze Zeit später problemlos.

Das Teilstück von Bremgarten bis Mellingen war uns von früheren Wettkämpfen und Clubausflügen bestens bekannt. Endlich gab es auch etwas mehr Wellen, welche für etwas Abwechslung sorgten. Der zweite Tag ging schliesslich beim Campingplatz in Sulz zu Ende. Hier konnten wir duschen und unser Wasservorrat wieder aufstocken.

Tag 3

Der Mittwoch begann nicht sehr vielversprechend, denn um 04:00 Uhr in der Nacht fing es zu regnen an. Wir hofften, dass es im Innern unseres Zeltes trocken blieb. Es war nicht mehr das neueste, doch es schien dem Regen standzuhalten. Vier Stunden später war es wieder ruhig und wir entschieden uns noch eine Weile zu schlafen.
Gegen Mittag stiegen wir wieder ins Kanu obwohl Silvan nicht fit war. Vielleicht hatte er am Vorabend etwas Schlechtes gegessen oder einfach nur einen Sonnenstich bekommen. Wir liessen es darum gemütlich angehen und paddelten weiter, vorbei am Kloster Gnadental und dem schönen Städtchen Mellingen. Das Wetter wurde besser und wir erreichten schon bald das Wehr in Windisch. Dort blieb uns das mühsame Umtragen zum Glück erspart, denn es gab Rollen, mit denen wir die Kajaks ohne grossen Kraftaufwand ziehen konnten.

Bald bogen wir in die Aare ein und erreichten das Wehr beim AKW Beznau, wo wir eine Schleuse vorfanden. Nach einem kurzen Telefon mit der Zentrale durften wir in die Schleuse einfahren und das Tor hinter uns wurde geschlossen. Unheimlich war es schon irgendwie, als das Wasser zu sinken begann und wir auch. Nach etwa sechs Metern Höhenunterschied war Schluss, das vordere Tor begann sich zu öffnen und wir konnten schliesslich weiterpaddeln.
Ein paar Kilometer und ein Wehr weiter erreichten wir in der Abendsonne den Rhein. Diesen überquerten wir und wasserten auf der deutschen Seite aus. Das Zelt bauten wir auf dem dortigen Campingplatz Waldshut auf.

Tag 4

Obwohl ich mich an diesem Morgen nicht ganz wohl fühlte, gings weiter. Wir passierten das Atomkraftwerk Leibstadt und erreichten das nächste Wehr, wo wir auf zwei Kanufahrer aus Deutschland trafen, die ebenfalls mit den Seekajaks unterwegs waren. Diese liessen wir schnell hinter uns. Kurz vor Laufenburg trafen wir auf ein weiteren Kanufahrer, der uns mit einem Abfahrtsboot entgegen kam. Er kehrte um und begleitete uns bis nach Laufenburg. Unterwegs erzählte er uns eine Anekdote über die Hochrheinbrücke, die wir nun passierten. Diese geriet 2003 in die Schlagzeilen, als es beim Bau einen Konstruktionsfehler aufgrund unterschiedlicher Berechnungen der Höhe des Meeresspiegels gegeben hatte. Nach einem kurzen Rast in Laufenburg paddelten wir weiter. Kurze Zeit später gelangten wir zum Wehr beim Kraftwerk Laufenburg, bei dem wir unsere Kanus mit einem Bootslift wieder einwassern konnten.

Ein Wehr und ein paar Paddelkilometer weiter machten wir uns langsam Gedanken um das letzte Nachtlager. Wir wussten, dass es in Möhlin einen Campingplatz gibt. Allerdings ist dieser ca. 500m im Landesinneren stationiert. Es würde uns also ein mühsamer Fussmarsch inklusive Kajaks bevorstehen und auf das hatten wir eigentlich keine Lust. Darum suchten wir das Ufer nach anderen geeigneten Schlafplätzen ab. Kurz vor Möhlin wurden wir schliesslich fündig: Der Wassersportverein Schwörstadt hatte auf der deutschen Seite des Rheins sein Anwesen. Dort durften wir freundlicherweise unser Zelt aufschlagen und genossen so den letzten Abend direkt am Rhein mit Spaghetti al Pesto zum Abendessen.

Tag 5

Gestärkt mit Kaffee und einem vitaminreichen Müesli nahmen wir die letzten 25 Kilometer in Angriff und paddelten unserem Ziel entgegen. Der Rhein wurde allmählich breiter und die Wehre häuften sich. Das Umtragen verlangte uns nochmals alles ab und wir waren froh, bald in Basel zu sein.

Wir passierten Rheinfelden und die alte Römerstadt Kaiseraugst. Die ersten grossen Transportschiffe tauchten auf. Und dann sahen wir es, das letzte Wehr bzw. Kraftwerk mit seiner auffälligen Architektur, welches wir umtragen mussten. Es gab zwar eine Schleuse, diese war aber nur für die grossen Schiffe gedacht. Also nahmen wir nochmals all unsere Kraft zusammen und trugen die Kajaks - wir hatten ja kein Wägeli dabei - die 700 Meter bis zur unteren Kahnrampe.

Die letzten 500 Meter nahmen wir dann ganz euphorisch in Angriff. Wir hatten es geschafft!

Neuen Kommentar schreiben